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Connect. Learn. Lead.

Die nächste Unternehmergeneration ist weniger verschlossen, öffentlichkeitsscheu, autoritär und statusbewusst als ihr Vorgänger. Sie ist ein Digital Native, gut ausgebildet, vernetzt und will erfolgreich sein. Warum sie ganz andere Bedürfnisse hat als ihre Vorgänger und wie sie sich weiterentwickeln  kann, erklärt Peter Englisch, Global Family Business Leader bei PwC.

 

CHRISTINA MÜLLER*: Mit den Millenials und der Generation Z tritt eine neue Unternehmergeneration an. Inwiefern ist sie anders?

PETER ENGLISCH: Seit Jahren beobachten wir einen verstärkten Trend zur Professionalisierung von Familienunternehmen und Unternehmerfamilien: Die aktuelle Inhabergeneration legt großen Wert auf die Vorbereitung der Nachfolger auf eine verantwortungsvolle Inhaberschaft (Responsible Ownership). Sie ermöglicht ihren Kindern eine internationale Ausbildung und gibt ihnen Freiraum zur persönlichen und beruflichen Entfaltung. Eltern setzen die familieninterne Nachfolge nicht mehr als Selbstverständlichkeit voraus, sondern stellen ihre Kinder vor die eigene Wahl.

Gut für das Familienunternehmen …
Unbedingt: Es führt zu besser ausgebildeten künftigen Nachfolgern. Den NextGens stehen so aber auch mehr Optionen zur Verfügung. Der klassische Karriereweg im eigenen Unternehmen ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Erfolg ist auch mit komplett neuen Rollenmodellen möglich – im selbst gegründeten Start-up, in anderen Unternehmen oder mit komplett neuen Geschäftsmodellen. Das hat auch unser NextGen-Survey (s. UnternehmerBrief 04/2017) gezeigt.

Und unter welchen Voraussetzungen steigen NexGens ins eigene Familienunternehmen ein?
Nachfolger setzen andere Maßstäbe an ihr Berufsleben: Die Vergütung ist nicht mehr ausschlaggebend. Sie erwarten, dass ihr Arbeitgeber mehr bietet als nur Arbeit und Einkommen. Er muss identitätsstiftend sein und einen nachhaltigen Sinn erfüllen. Und sie wollen im Unternehmen etwas bewegen.

Was bringt der Einstieg mit sich?
Die NextGen steht vor vielen, ganz unterschiedlichen Fragestellungen: Ist das bestehende Geschäftsmodell fit für die Zukunft? Wie gehen wir mit den rasanten technologischen Veränderungen und dem neuen Wettbewerbsumfeld um? Was bedeutet das Unternehmen für mich und meine Familie? Welche Rolle kann und möchte ich übernehmen, was wird von mir erwartet?

Wie finden die NextGens Antworten auf solche Fragen?
Das ist gar nicht so einfach. Ein wichtiger Aspekt ist der Austausch unter Gleichgesinnten. Dafür haben wir bei PwC ein weltweites NextGen-Programm für künftige Nachfolger und NextGens von 16 bis 36 Jahren aufgesetzt, das ihnen hilft, erfolgreich zu sein – im Familienunternehmen oder im eigenen Unternehmen. Es folgt dem Dreiklang Connect, Learn und Lead.

Was heißt das konkret?
Weltweit haben wir bei PwC sogenannte NextGen Clubs für die Vernetzung unter Gleichgesinnten ins Leben gerufen. Aktuell gibt es bereits 1.500 Mitglieder in 21 Ländern – jedes Jahr kommen weitere dazu. Außerdem bieten wir für NextGens ein auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Altersgruppen abgestimmtes Qualifizierungsprogramm in Zusammenarbeit mit weltweit führenden Business Schools wie Columbia in New York, HEC in Paris sowie INSEAD in Singapur. Darüber hinaus haben wir zusätzliche Angebote für bereits im Unternehmen tätige NextGen FamBiz Leader geschaffen, die ihnen sowohl bei der persönlichen Profilierung helfen, aus dem Schatten der aktuellen Unternehmergeneration herauszutreten, als auch die Chance geben, erfolgreich neue Ideen und Konzepte zu entwickeln und zu testen. Dazu gehört auch das Kennenlernen und Vernetzen mit jungen, disruptiven Start-ups im Rahmen der von uns unterstützten weltweit größten Start-up-Konferenz Slush.

 

*Dr. Christina Müller ist Redaktionsmitglied des UnternehmerBriefs und Senior  Managerin bei PwC.