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Die NextGen: Treiber des Wandels

Warum die NextGen für viele Familienunternehmen zur rechten Zeit in Führungspositionen wächst.

von Dominik von Au

Paketdrohnen liefern die Einkäufe, Computer übernehmen das Lenkrad, die Kopfhörer kommunizieren mit den Turnschuhen. Hochregallager laufen vollautomatisch, Algorithmen regeln die Preise im Onlineshop, und der Logistikpartner vieler Firmen ist ein IT-Start-up. Wir stecken mitten im digitalen Wandel, für den längst noch nicht alle mittelständischen Familienunternehmen gerüstet sind. Dabei haben viele von ihnen ein As im Ärmel, von dem sie vielleicht noch gar nichts wissen: die nächste Generation. Gerade ihr ist bewusst, dass sich die Rahmenbedingungen für die meisten Geschäftsmodelle mit der Digitalisierung rasch und restlos ändern. NextGen-Vertreter wie Christian Miele (Miele), Maximilian Viessmann (Viessmann) und Jeannette zu Fürstenberg (Krohne Messtechnik) investieren deswegen sehr konsequent und professionell in Venture- und Start-up-Formate.

Die Generationen Y und Z sind bereit für die Nachfolge in Familienunternehmen. „Millennials“, geboren kurz vor der Jahrtausendwende. Als sie in die Schule kamen, orderte die Familie noch aus dem Otto-Katalog, 1.000 Seiten dick. Als sie aufs Gymnasium wechselten, gab es noch das Tastentelefon von der Bundespost, eins für alle, und telefonieren war ab 18 Uhr günstiger. Doch als sie mit der Uni fertig waren, gab es für sie beides nicht mehr. Das prägt.

Die NextGen weiß um die rasante Geschwindigkeit des Wandels.

Die NextGen liebt Technik

Facebook, Amazon, iPhone ... Die neuen Generationen haben den Aufbruch in Social Media und E-Commerce mitgestaltet und haben selbstverständlich, „das Internet in der Tasche“ (Steve Jobs). Die Älteren haben zwar genauso beobachtet, wie Modem und Fax, Disketten und Videos ausgemustert wurden. Aber ihnen bleiben die digitalen Technologien in ihrer ganzen Radikalität eher fremd. Ihre Grundhaltung ist skeptisch, abwartend. Die Jungen gehen den Wandel dagegen voll mit, privat wie im Job. Genau sie wachsen jetzt in vielen Familienunternehmen in die Verantwortung hinein.

Zwei Drittel der Nachfolger wissen ganz genau: Ein erfolgreiches Unternehmen braucht eine umfassende Digitalstrategie. Und ihnen ist glasklar, dass damit nicht bloß eine neue Website oder ein bisschen Social Media gemeint ist. Sie haben Visionen für Märkte, die es noch gar nicht gibt. Und wissen um die Geschwindigkeit des Wandels, die immer mehr zunimmt: Innovationszyklen werden kürzer und kürzer. Nicht nur die Smartphones sind jedes Jahr viel besser, können viel mehr. Genauso fordert die höhere Schlagzahl im klassischen Produkt-management alle mehr als nur heraus. Die neuen Gene-rationen kennen keinen anderen Rhythmus. Sie wissen: Technology makes everything possible!

Die NextGen kooperiert

Die Technikaffinität der Jungen ist einer ihrer großen Vorteile – aber nicht der einzige. Im digitalen Wandel werden sie unterstützt von ihrer emotionalen Intelligenz. Das amerikanische Wirtschaftsmagazin „Forbes“ berichtet, dass 80 Prozent der Millennials gerade darauf Wert legen. Sie wollen ihre eigenen und die Emotionen der anderen bewusst wahrnehmen, angemessen damit umgehen – ihr Innenleben genauso wie die Außenwelt beachten und wertschätzen. Ob als Führungskraft oder als Teammitglied: Mit dieser Empathie schaffen sie die Voraussetzungen für eine offene, vertrauensvolle Zusammenarbeit. So stellen sich alle den Herausforderungen als Mannschaft, nicht als Einzelkämpfer.

Lange wurden die NextGens als „Narzissten“ abgestempelt – die, die ständig Selfies posten und ihre Onlineprofile optimieren. Inzwischen hat sich das Image gewandelt: Nicht nur die „New York Times“ stuft die Millennials als „die empathischste, emotional reifste Generation“ ein. Sie wollen in einer Atmosphäre arbeiten, die sie fördert; in einem Umfeld, das sie stützt. Wie das geht, zeigt z.B. Alexander Wottrich, Nachfolger beim Heizungsbauer Truma. Er verändert die Führungskultur Schritt für Schritt (siehe auch die INTES-NextGen-Porträts). Die neue Emotionalität hat nicht nur positive Folgen für die Psyche, sondern auch für die Produktivität: Teams, deren Mitglieder sich eng austauschen, machen weni-ger Fehler und haben mehr Ideen. Wichtig dabei ist, dass vom jungen Werkstudenten bis zur erfahrenen Managerin alle Gehör finden. Jede Stimme zählt, gerade im technologischen Umbruch.

Die NextGens sind Netzwerker.

Die NextGens sind Netzwerker. Sie pflegen nicht nur intern die Beziehungen zu Mitarbeitern und Kollegen. Sie bauen auch extern Kontakte auf, zu potenziellen Bewerbern, Dienstleistern und Kunden. Die sozialen Netzwerke spielen dabei eine entscheidende Rolle. Das hat auch ganz pragmatische Gründe: Der Fachkräftemangel setzt vielen Familienunternehmen zu. Es geht um Softwareentwickler, Administratoren und Sicherheitsexperten. Ohne IT-Fachleute kein digitaler Wandel. Wer sein starkes Netzwerk geknüpft hat, steht deutlich besser da als die Konkurrenz. Die muss noch darauf hoffen, in Jobbörsen irgendwie aufzufallen. NextGen-Unternehmer Felix Kroschke, Nachfolger bei der Christoph Kroschke GmbH, postet als Geschäfts führer eines 1.700-Mitarbeiter-Unternehmens Recruiting-Aufrufe auf LinkedIn ganz selbstverständlich persönlich.

Die NextGen ist flexibel

Angetrieben von der Digitalisierung, erneuert sich sogar die ganze Arbeitswelt. Unter dem Begriff „New Work“ zeichnet sich schon heute ab, wie wir morgen arbeiten. Damit gemeint sind weder Kickertisch noch Biofrüchte im Foyer, nicht die Sneakers und freitags ohne Schlips. Es ist eine grundlegende Umwälzung! Das haben die Jungen schneller erfasst als ihre Vorgänger, ganz einfach, weil es ihre Lebenswirklichkeit widerspiegelt: dezentrales Arbeiten, Web-Meetings, Co-Working. Das Großraumbüro mit festen Arbeitsplätzen ist von vorgestern. Und sie handeln entsprechend: weg mit den Namensschildern an der Tür, mit dem Chef-Parkplatz direkt am Eingang sowieso. Und mehr Homeoffice.

Der Unternehmenssitz hat trotzdem nicht ausgedient. Er bleibt die erste Anlaufstelle, Ort der Identifikation und der Repräsentation. Aber er sieht heute anders aus. Schluss mit dem ganzen Beton, den langen Fluren und verschlossenen Türen! Die Next Gens schaffen Orte, die sich flexibel den Bedürfnissen anpassen. Mit Ruhezonen für diejenigen mit der drängendsten Deadline und inspirierenden Orten der Muße fürs Brainstorming. Beim Redesign lassen sie sich von der Gründerszene inspirieren, von Start-ups mit gläsernen Konferenzräumen und großen Holztischen – als Sinnbilder für Transparenz, Kommunikation und Teamwork.

Hierarchien werden unwichtiger, Eigeninitiative wichtiger. Das setzt eine flache Organisation voraus, in der Mitarbeiter offen und auf Augenhöhe kommunizieren. Wer sich wertgeschätzt und als Teil eines Ganzen fühlt, ist loyaler und daher motivierter und produktiver. New Work bedeutet mehr Selbstständigkeit, mehr Entscheidungen, mehr Freiräume. Genau das ermöglichen die NextGens. Mit dieser Grundhaltung – in Kombination mit Technikaffinität und Teamgeist – haben sie Fähigkeiten, die seniore Unternehmenslenker nicht unterschätzen sollten, wenn es darum geht, wer das Familienunternehmen wann, wie und mit welcher Geschwindigkeit durch den Wandel führt. Das Hineinwachsen der jungen Unternehmergeneration in Führungspositionen sollte – wie so viele andere Dinge auch – schneller erfolgen. Die Jungen bringen viel mit und sind bereit. Die heutigen Unternehmer sollten das nutzen. Zum Vorteil aller.

 

Der Text ist erschienen im INTES - UnternehmerBrief Ausgabe 02/2019.