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Nachfolge aus drei Perspektiven

Drei neue Studien werfen einen sehr unterschiedlichen Blick auf das Thema Nachfolge. Eine nimmt die Perspektive der Next Gens ein, eine beleuchtet den Generationswechsel im Family Office und eine thematisiert die Rolle von Frauen in der Nachfolge.

Von Christina Müller

 

WIFU-Studie: Weibliche  Nachfolge – von der Ausnahme zum Regelfall

Was lange Zeit die Ausnahme war, wird zum Regelfall: weibliche Nachfolger. Da mit steigender Tendenz zur Individualisierung immer weniger Nachfolger bereit sind, das eigene Unternehmen weiterzuführen, werden Töchter beim familieninternen Generationenübergang immer wichtiger. Wie diese Rolle aussieht und welche Aufgaben sie mit sich bringt, hat das WIFU untersucht und dafür gut 200 Nachfolger, 42 Prozent davon weiblich, befragt.

Zentrale Erkenntnisse:

•  Frauen, die die Nachfolge antreten, gibt es immer öfter, vor allem in der Generation Y. Mittlerweile liegt ihr Anteil bei 40 Prozent der befragten Unternehmen.
•  Nachfolgerinnen führen tendenziell kleinere und jüngere Unternehmen als ihre männlichen Pendants.
•  Trotz Emanzipation und Gleichberechtigung der Frauen auch in der Nachfolge halten sich in der Kernfamilie traditionelle Rollenbilder: Nachfolgerinnen übernehmen 63 Prozent der Familienaufgaben, Nachfolger nur 32 Prozent.
•  Die Doppelrolle von Familie und Karriere ändert sich auch nicht, wenn Nachfolgerinnen Kinder bekommen: Dann steigt ihre Zeit für Familienaufgaben von 9 auf 22 Stunden pro Woche, ihre Arbeitsbelastung bleibt jedoch konstant. Männliche Nachfolger arbeiten nur unwesentlich mehr – ohne Haushalt.

 

Next Gen Study 2017: Vier Wege zum Erfolg – und einige Stolpersteine

Mitglieder der NextGen haben oft eines gemeinsam: Sie haben studiert, sind weltweit vernetzt, bringen Auslandserfahrung mit und haben große Pläne, das elterliche Unternehmen voranzutreiben. Welche Strategie sie verfolgt, um erfolgreich zu sein, und vor welchen Hürden sie steht, steht im PwC Next Gen Survey unter weltweit 137 Nachfolgern aus 21 Ländern. Die Next Gens wählen vier unterschiedliche Strategien, oft kombiniert:

•  Bewahrer (20 Prozent) verfolgen den traditionellen Karriereweg: Sie studieren, sammeln Erfahrung und bereiten sich auf die profitable und professionelle Fortführung des Familienunternehmens vor.

•  Gestalter (35 Prozent) wollen das Familienunternehmen nach eigenen Vorstellungen verändern. Dabei konzentrieren sie sich vor allem auf Innovationen und die digitale Transformation.

•  Auch Intrapreneurs (20 Prozent) wollen das Familienunternehmen transformieren. Dafür wird ein Bereich des Unternehmens, in dem sie ihre Ideen verfolgen können, wie ein Start-up ausgegliedert.

•  Entrepreneurs (25 Prozent) kapseln sich bewusst vom eigenen Familienunternehmen ab und gründen ihr eigenes Unternehmen.

Eine richtige Strategie gibt es nicht. Aber fünf Faktoren sind zentral: Kultur, Kommunikation, Klarheit, Glaubwürdigkeit und Selbstverpflichtung. Und die Bereitschaft zum Wandel.

Zum Next Gen Survey

 

UBS Global Family Offices Report: Neuer Wind durch neue Generation

Auch bei Family Offices will die nächste Generation eigene Akzente setzen: 40 Prozent der weltweit 262 befragten Family Offices erwarten durch sie ein stärkeres Engagement im Bereich Impact Environment, Social and Governance Investments. Für die Nachfolge haben sich Family Offices weltweit auch schon gut vorbereitet: Nur 16 Prozent haben sich bisher noch nicht mit der Nachfolge beschäftigt. Dass die mit dem Vermögenstransfer verbundenen Herausforderungen erkannt werden, wird auch dadurch deutlich, dass Ausbildung, Family Governance und Nachfolgeplanung inzwischen den größten Anteil aller Ausgaben im Bereich der professionellen Dienstleistungen von Family Offices ausmachen. Bei der Vorbereitung der nächsten Generation auf ihre Aufgaben legen Family Offices Wert auf eine umfassende Ausbildung. Hierzu gehören Arbeitserfahrung im und außerhalb des Family Office (58 Prozent), etwa bei einer Investmentbank (43 Prozent), eine strukturierte Investment-Ausbildung (31 Prozent) oder die Mitarbeit in den Bereichen Philanthropie und Impact Investing (38 Prozent).

Zum Global Famiily Office Wealth Report