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Neues INTES-Seminar zur „Generation Z“ am 26. April 2018 in Wiesbaden mit Prof. Dr. Christian Scholz

Artikel erschienen im UnternehmerBrief 03/2017

Von Prof. Christian Scholz*

Generation Z und Mittelstand

Die Generation Z ist im Anmarsch. Nur ist der Mittelstand definitiv nicht ihr Wunsch­arbeitgeber. Umgekehrt kann sich dieser nicht so richtig mit der Generation Z anfreunden, egal ob als Auszubildende oder als angehende Fach-/ Führungskräfte. Aber auch wenn es auf den ersten Blick nach Unmöglichkeit aussieht: Generation Z und Mittelstand wäre eine Traumkombination, falls – aber nur falls! – einiges völlig anders gemacht wird.

Generation Z ist anders …

Zunächst einmal: „Generation“ ist ein generelles Werte- und Verhaltensmuster, das nichts damit zu tun hat, dass die Generation Z aktuell jung ist. Viel wichtiger: Sie hat genau hingeschaut, was in den vergangenen Jahren passiert ist. Die Generation Z, also die Gruppe der Jugendlichen, die ab Anfang der 1990er Jahre geboren wurden und jetzt maximal 25 Jahre alt sind, hat erkannt, dass die Karrierechancen gar nicht so groß sind, wie man geglaubt hat. Dass Karriere mit Stress oder Burnout einhergehen kann. Und dass sich Unternehmen jenseits von Werbespots, Homepages und Hochglanzbroschüren ganz sicher nicht immer um das Wohl ihrer Mitarbeiter kümmern.

… aber das ist auch gut so.

Darauf und auf die generelle Hektik unserer aktuellen Lebenswelt reagiert die Generation Z mit der Suche nach Stabilität und Struktur. Deshalb sind ihr geregelte Arbeitszeiten wichtig. Am Nachmittag um 16 Uhr zu erfahren, dass es heute doch 19 Uhr wird, das geht überhaupt nicht. Und auch das Wochenende gehört der Familie und Freunden – außer es ist frühzeitig anders bekannt und geplant und die Generation Z kann sich darauf einstellen. Ist das verkehrt? Ganz sicher nicht. Im Gegenteil: Es ist gut so! Ein Vertreter der Generation Z, der auf seine Pausenzeiten achtet und um fünf nach Hause geht, leistet teilweise mehr als manch ein Workaholic aus der Generation Y, der von Projekt zu Projekt hetzt, sich dabei verliert und dann im Burn-out landet.

Generation Z passt gut zum Mittelstand …

Die Generation Z kommt bescheidener und etwas weniger materialistisch daher. Ein kleineres Auto reicht und ein Abend zu Hause auf der Couch ist eine wunderbare Vorstellung. Außerdem braucht und will sie keine globalen Karriereprogramme „Rund um die Welt“, sie will keine permanente „Performance Review“ und ganz sicher braucht sie kein riesiges Open-Office-Konzept, bei dem sie sich jeden Morgen einen Schreibtisch erkämpfen muss. Das alles ist der Generation Z viel zu komplex. Der Arbeitsplatz ist hier ganz wörtlich das eigene Büro mit zwei oder drei engen Kollegen, Zimmerpflanze und Teetasse auf dem Schreibtisch, dazu Fotos vom Freund oder von der Freundin. Diese Lockerheit und dieses Streben nach Wohlfühlen bedeutet aber nicht, dass die Generation Z nicht leistungsbereit ist: im Gegenteil!

… bekommt aber die falsche Ansprache.

Irgendwie ist der Mittelstand manchmal stolz darauf, dass alles ungeplant, flexibel und improvisierend gelöst werden muss. Und dann müssen alle anpacken und richtig arbeiten, egal wann und wie lange. Falsch: Auch der Mittelstand kann mit verlässlichen Schichtplänen und Arbeitszeitsystemen arbeiten. Schließlich überschätzen gerade im Mittelstand Führungskräfte bis zur Nummer eins ihre Wirkung auf Jugendliche in puncto Charisma und Vorbild. Das ist gerade in Vorstellungsgesprächen oft ein Problem: „Ich habe seit jeher eine vertrauensvolle Beziehung zu meinen Mitarbeitern“ ist ein oft gehörter Satz, in dem zum Glück das Wort „Untergebene“ nicht mehr vorkommt.

Aber wenn dann noch etwas wie „Wir sind ja nur Mittelstand … und das können Sie nicht erwarten …“ kommt, dann ist der Gesprächs­faden völlig abgerissen. Das wird die Generation Z zwar nicht so offen sagen, aber sie wird sich höflich verabschieden und nie wieder auftauchen.

Der Mittelstand hat klare Defizite …

Im Kern gibt es vier extreme Defizite:
(1) Die externe Kommunikation geht an den Bedürfnissen der Generation Z vorbei. Das sind handwerkliche Fehler.
(2) Die Abwicklung der Bewerbung und der Onboarding-Prozess verlaufen manchmal sehr unprofessionell. Nicht, dass Großunternehmen generell besser sind: Aber in diesem Bereich sind sie es immer öfter.
(3) Es fehlen solide Kenntnisse zu den Unterschieden zwischen den Generationen. Man darf einen Vertreter der Generation Z nicht mit einem Vertreter der Generation Y verwechseln.
(4) Auch Personalentwicklung ist ein heikles Thema: lösbar, aber schwierig und fehlerbehaftet.

… die aber korrigierbar sind.

Nehmen wir Feedback als Teil der Personalführung: Einem Z-Typ darf man nicht ins Gesicht sagen, dass er etwas falsch gemacht hat. Das würde ihn völlig durcheinanderbringen. Die Generation Z ist schon durch Facebook gewohnt, dass es ein „Like“ gibt – aber kein „Dislike“. Einen Vertreter der Generation Z entwickelt man stattdessen weiter, indem man die nächste Aufgabe noch präziser erklärt und in kleinen Schritten vorgeht. Vertreter der Generation Y dagegen wollen Karriere machen und aus eigenen Stücken besser werden. Daher verlangen sie nach langfristiger Perspektive und ehrlichem Feedback. Führungskräfte müssen also beide Arten des Feedbacks beherrschen. Das ist kein Hexenwerk, aber man muss sich damit auseinandersetzen. Das wollen leider nicht alle und fin-den es einfacher, zu sagen: „Irgendwie sind doch alle Generationen gleich.“

Wünsche der Generation Z soll man berücksichtigen …

Es gibt fundamentale Bedürfnisse der Generation Z wie Work-Life-Separation, der eigene Arbeitsplatz und klare Strukturen. Hier muss man ein klares Arbeitsprogramm aufstellen und dieses dann konsequent abarbeiten. Auch das ist keine Hexerei, dazu gibt es ausreichend Informationen. Es muss aber gemacht werden.

… aber nicht alle!

Die Arbeitswelt ist kein Ponyhof. Wenn bei Arbeitszeit, Arbeitsort oder Arbeitsinhalt Einzelheiten in den betrieblichen Abläufen der Generation Z zuwiderlaufen, dann kann man es mit der Generation Z besprechen. Sie ist – und das ist einer der schönsten Züge – durchaus realistisch und wird sich darauf einstellen. Wenn etwas wirklich Unvorhergesehenes passiert, wird sie sich nicht verschlie-ßen. Wenn es aber Organisationsverschulden, schlampige Planung oder der Regelfall ist, dann wird die Generation Z schneller weg sein, als sich das ihr Arbeitgeber vorstellen kann.

ERGEBNIS | Die Generation Z passt perfekt zum Mittelstand –auch wenn das zurzeit weder die Generation Z noch der Mittelstand erkennt. Aber einiges muss anders werden: Und da muss der Mittelstand den ersten Schritt machen, und zwar bewusst und professionell.

 

*Univ.-Prof. Dr. Christian Scholz ist ein begeisterter Erforscher der Arbeitswelt; Referent, Publizist, Berater. Er war sechsmal auf der Liste der 40 führenden Köpfe im Personalwesen und ist seit 2015 in der personalwirtschaftlichen „Hall of Fame“. Seit 2006 bloggt er als „Per Anhalter durch die Arbeitswelt“.
 

Mehr dazu auch beim INTES-Seminar mit Prof. Christian Scholz am 26.04.2018 in Wiesbaden.

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